Treibt der Kostendruck und die Gewinnerwartungen viele Krankenhäuser zu unnötigen Operationen?
Man könnte es auch etwas euphemistisch eine gute Präventionsarbeit nennen, was die deutschen Krankenhäuser nach Ansicht ihrer Kritiker in der letzten Zeit verstärkt betreiben: Demnach sollen viele Krankenhäuser ihre Patienten zu Operationen drängen, obwohl diese aus medizinischer Sicht noch gar nicht angebracht sind. Das heißt auf gut deutsch: Die Krankenhäuser verpassen der Patientin ein neues Knie und dem Patienten eine neue Hüfte, obwohl es das alte Knie und die alte Hüfte eigentlich noch ganz gut getan haben. Der Grund liegt auf der Hand: Operationen spülen bares Geld in die Kassen, auf das klamme Krankenhäuser angewiesen sind. Aber auch im Gegenteil: Vielen Kliniken soll es angesichts der stark zunehmenden Operationen momentan finanziell sehr gut gehen. Kein Wunder, dass da gerade diejenigen meckern, die bezahlen müssen: die Krankenkassen!
“Kostenfaktor Nummer 1 im Gesundheitswesen”
Dies sind nach Ansicht von Wulf-Dietrich Leber, seines Zeichens Krankenhaus-Experte des Verbandes der Krankenkassen, die deutschen Kliniken. Jahr für Jahr fließt immer mehr Geld von den Krankenkassen zu den Krankenhäusern. Der Anstieg sei sogar noch stärker als bei den Arztpraxen.
Machen die deutschen Krankenhäuser Kasse mit der Angst und Leichtgläubigkeit der Patienten? Ein schwerwiegender Vorwurf, den Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, als diffamierend weit von sich weist. Tatsächlich aber existieren in manchen Krankenhäusern Verträge mit Chefärzten, die diesen Bonuszahlungen für häufige Operationen gewähren; laut der Zeitung WELT stellt etwa die Deutsche Krankenhausgesellschaft solche Muster-Verträge zur Verfügung.
Auch die Politik hat sich derweil eingeschaltet und kritisiert die Zunahme an zumindest zweifelhaften Operationen. Was bleibt nun als Patient zu tun? Man kann sich nur ein effektiveres Kontrollsystem wünschen, das die Interessen und Bedürfnisse der Patienten in den Mittelpunkt rückt. Und im Zweifel bleibt es angesagt, Diagnosen und OP-Empfehlungen vom Arzt oder der Ärztin des Vertrauens gegenchecken zu lassen!

Im Besonderen, sind auch Privatversicherte einem erhöhten Operationsrisiko ausgesetzt. Hier winken den Kliniken und Ärzten durch die erhöhten Abrechnungssätze gute Gewinne. Ich lege mich jedenfalls niemals ohne eine Zeitmeinung oder Zweitdiagnose unters Messer.